Boss mit sozialer Ader

Mohamed Hourch berät sich mit seinen Mitarbeitern.

Hydraulik, Statik, Elektrik. Fragen über Fragen. Mohamed Hourch (2. von links) berät sich mit seinen Mitarbeitern.

„Lieber unvollkommen begonnen, als perfekt gezögert.“ Dieser festen Überzeugung ist Mohamed Hourch. Nach seinem Studium und erster Berufserfahrung in Deutschland kam der heute 40-jährige Bauingenieur 2002 nach Marokko zurück. Die ersten Monate hat er für ein deutsches Ingenieurbüro die Geschäfte in Marokko geführt. Danach wagte er in Casablanca den Schritt in die Selbstständigkeit. Heut beschäftigt Mohamed Hourch zehn Mitarbeiter.

„Die ersten zwei Jahre mit meiner Firma City Concept waren nicht einfach“, erinnert sich Mohamed Hourch. Aber dann seien aus den anfänglichen kleinen Bauprojekten privater Auftraggeber immer größere Projekte geworden. Darunter sind Schulen, Universitäten, Flughafengebäude und ganze Wohnsiedlungen.

Heute hat Mohamed Hourch mehr Arbeit und Projekte am Hals als ihm und vor allem seiner Familie lieb sind. Zu seinen derzeit größten Herausforderungen zählt deshalb ein gutes Gleichgewicht zwischen Arbeit und Privatleben zu finden. Das sei nicht immer einfach. Denn ein klar abgegrenztes Wochenende wie in Deutschland gäbe es in Marokko zum Beispiel nicht. „In Marokko wollen Kunden auch am Wochenende empfangen und bedient werden“, erklärt Mohamed Hourch.

Gutes Personal finden

Eine andere große Herausforderung ist es, in Marokko gut ausgebildete und zuverlässige Mitarbeiter zu finden. Ein Problem, das Marokko mit vielen anderen Schwellen- und Entwicklungsländern teilt. Gutes Know-how ist knapp und die besten Köpfe zieht es oft ins Ausland. Mohamed Hourch hatte Glück oder ein gutes Händchen: Die meisten seiner Angestellten sind ausgebildete Ingenieure und Bauzeichner und haben größtenteils Berufserfahrung in Europa oder Russland gesammelt.

In einem der beiden Büros von City Concept arbeitet aber auch eine Juristin, die keinen geeigneten Job in Marokko fand und die Mohamed Hourch daher selbst zur Bauzeichnerin ausgebildet hat. „Motivierten Leuten dabei zu helfen voranzukommen, ist einer der Hauptgründe, warum ich hier in Marokko selbstständig bin. Auch wenn ich dadurch schon viele graue Haare bekommen habe. Als ich vor acht Jahren zurückkam, hatte ich jedenfalls noch keine“, erklärt der Unternehmer und lacht dabei.

Das richtige Netzwerk

Mohamed Hourch glaubt, dass es in Marokko viele Möglichkeiten für Auslandsmarokkaner gibt, die etwas Eigenes auf die Beine stellen möchten. Er muss es wissen. Denn er hat bereits 30 marokkanische Ingenieure aus Deutschland dabei unterstützt, in Marokko wieder Fuß zu fassen – durch Beratung und die Vermittlung von Kurzzeiteinsätzen bei City Concept und anderen Firmen. Das Ganze tut er gern, doch nicht ganz ohne Eigennutz. Denn er wünscht sich, dass Marokko in Zukunft stärker mit deutschen Firmen zusammenarbeitet und ergänzt: „Ich wünsche mir auch, dass wir hier stärker nach deutschen Qualitätsstandards arbeiten.“

Rückhalt und Inspiration findet Mohamed Hourch beim Centre des jeunes dirigeants d’entreprise (CJD), einem Zusammenschluss von Jungunternehmern, die nicht älter als 45 sind. In Marokko gehören dem CJD rund 200 Unternehmer aus unterschiedlichen Branchen an. Ihr Ziel ist es, trotz des notwendigen Profitstrebens den Menschen in den Mittelpunkt ihrer unternehmerischen Aktivitäten zu stellen. Auch wenn das manchmal graue Haare kostet. Mohamed Hourch: „Isolation und Einzelkämpfertum sind schlecht. Der Erfahrungsaustausch mit anderen Unternehmern ist wichtig. Wichtig für mich, meine Mitarbeiter und mein Unternehmen.“

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